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Sahara - Lara : Ihre erste große Reise

Nachdem wir ein Jahr zuvor noch mit unserer damals 16 Jahre alten Mischlingshündin Laila ( die einem Wäller sowohl äußerlich als auch vom Wesen sehr ähnlich war ) bis in die Westsahara gefahren sind , möchten wir uns nun mit der kleinen Lara wieder auf den Weg in ein neues Abenteuer machen :

Es ist Ende Januar 2015 , Lara ist gerade 6 Monate alt, ist sehr unternehmungslustig und fährt gerne im Auto mit und so machen wir uns wieder auf den Weg Richtung Süden .

Vielleicht ist sie der erste Wäller , der in die Sahara fährt ...

IMG 0041.1Unser Reisemobil ist ein über 30 Jahre alter Mercedes 911 - Lkw vom THW , auf den wir einen Aufbau vom DDR - Militär gebaut haben . Er ist geländegängig mit Allrad , Getriebeuntersetzung und Differentialsperre und wir haben ihn als Wohnmobil ausgebaut . Lara hat einen großen Reiseplatz im hinteren Teil des Fahrerhauses direkt hinter unseren Sitzen mit Panoramablick zu beiden Seiten , den sie auch im Liegen genießen kann .

Unsere Reise beginnt bei viel Schnee und sehr winterlicher Stimmung . Eine genaue Route planen wir vorher nicht : Es geht von Bad Karlshafen in Nordhessen über Luxemburg durch Frankreich Richtung Bordeaux und weiter durch Spanien bis Algeciras bei Gibraltar . Von dort geht eine kurze Fähre nach Ceuta , einer spanischen Stadt auf dem afrikanischen Kontinent .

Beim Überqueren der Grenze von Ceuta nach Marokko kommen wir uns vor als würden wir eine Zeitreise um mehrere Jahrhunderte machen und tauchten direkt in eine völlig andere Kultur ein , die unglaublich faszinierend ist . Alles wirkt sehr lebendig , die Menschen sind nicht gehetzt und uns gegenüber durchweg freundlich .

Trotz der bis hierhin 3000 km langen Fahrt durch Deutschland , Frankreich und Spanien kam Lara auf ihre Kosten und hatte viel Spaß unterwegs , auch mit vielen Kontakten zu anderen Hunden und vielen Spaziergängen in immer neuer Umgebung .

Nun , seit wir in Marokko sind , werden die neuen Eindrücke immer mehr und sie kann gar nicht genug bekommen von den neuen Gerüchen , die sich bei jedem Zwischenstop finden lassen .IMG 1409

Leider sind es nicht nur Gerüche , sondern auch Dinge wie Hühnchenknochen und Abfall , die interessant sind und zum Hineinbeißen verleiten - Sie muß erst noch lernen , daß sie Dinge von der Straße nicht fressen darf , und wir müssen in dieser Sache extrem gut auf sie aufpassen . Dieses Problem nimmt im Verlauf der Reise zum Glück ab , da wir sehr viel in einsamen Gegenden unterwegs sind , wo es durch die sehr geringe Bevölkerungsdichte nicht das Müllproblem gibt , das in den größeren Orten besteht .

Es gibt in Marokko einige gut ausgebaute , asphaltierte Straßen , die auch von großen europäischen Wohnmobilen befahren werden . Mit unserem Lkw ist es auch möglich , diese Straßen zu verlassen und auf Pisten oder Off-Road zu fahren , was uns in Gegenden führt , die von Touristen selten erreicht werden . Weite Gegenden sind anders nicht zu erreichen und sie faszinieren uns ganz besonders , da dort auch die Menschen extrem gastfreundlich und aufgeschlossen sind .

Da wir eine große Menge an Kleidung und Schuhen , die wir in unserem Bekanntenkreis gesammelt haben , als (Gast-)geschenke mitgenommen haben , bekommen wir besonders leicht Kontakt zu den Menschen . Zum Dank werden wir oft zum traditionellen Tee eingeladen oder auch zu Kamelmilch bei den Nomaden .

Wir IMG 9126bleiben nur selten 2 Nächte an einem Ort , da unsere Neugier uns immer weiter zieht - das geht uns Dreien , also Gabsi , Gunther und Lara genauso ...

Unsere Fahrt geht von Ceuta zunächst Richtung Casablanca , wo wir Bekannte in einer kleinen Werkstatt besuchen , und von dort weiter Richtung Süden über den Hohen Atlas auf kleinen Straßen . Dort laufen teilweise die Kinder barfuß im Schnee , die Armut in den Bergdörfern ist groß und die Berber freuen sich sehr über Kleidung , die wir ihnen schenken können .

Südlich des Atlas - Gebirges wird es wärmer , aber auch dort ist es im Winter nicht wirklich heiß : Meistens sind es um 25°C , in der Westsahara dann bis zu 30°C .

Von nun an fahren wir nur noch selten auf asphaltierten Straßen : Die Fahrt geht zum Teil querfeldein , durch weite Steinwüsten , trockene Flußbetten , auf Sandpisten und trockenen Salzsee - Ebenen . Die Etappen sind kaum planbar , aber das machen wir ohnehin nicht weit im Voraus : Es gibt Strecken , auf denen wir z.B. für 70 km Entfernung 10 Stunden fast ununterbrochen gefahren sind , da die Strecke zu weiten Teilen durch steinige Flußbetten führt . Diese verändern sich jedes Jahr , so daß ältere Pistenbeschreibungen oft nicht mehr viel wert sind .

Von der Westsahara führt uns die Reise wieder Richtung Norden , diesmal weiter östlich entlang der algerischen Grenze und durch das Sanddünengebiet des Erg Chegaga . Kurz zuvor hat es in den Wüstegebieten geregnet - ein Ereignis , das dort nur alle 50 Jahre eintritt und die Wüste blühen läßt !

In der Nähe der verminten algerischen Grenze gibt es viele marokkanische Militärposten : Sie kontrollieren und notieren immer wieder die Pass - und Fahrzeugdaten und passen auf , daß wir der Grenze nicht zu nahe kommen . Die Militärs sind sehr freundlich . Sie leben oft wie Selbstversorger mit Hühnern und Ziegen und kleiner Landwirtschaft in kleinen Gruppen an ihren Militärposten in der Einsamkeit .

Weiter fahren wir Richtung Nordwesten kreuz und quer durch die Bergwelt des Anti - Atlas und wieder zurück über den Hohen Atlas nach Nordmarokko .

Zum Ende der Reise besuchen wir noch die Stadt Fes , eine der alten Königsstädte : Sie ist für unser Empfinden die reizvollste große Stadt in Marokko mit einer Medina ( Altstadt ) , die so verwinkelt ist , wie man es sich kaum vorstellen kann : Auf engstem Raum gibt es ein Labyrinth aus tausenden Gassen , in dem man sich selbst mit gutem Orientierungssinn fast zwangsläufig verirrt , sobald man die Hauptwege verlässt .

Das rege Treiben in den Gassen erinnert an das europäische Mittelalter und übt eine unglaubliche Faszination aus - es steht ganz im Gegensatz zur Ruhe in den einsamen Gegenden , die wir in den vergangenen Wochen durchquert haben .

Die 2 Monate vergehen wie im Flug , und doch ist es ein Gefühl , als seien wir eine Ewigkeit unterwegs gewesen ...

Eines steht für uns fest : Wir kommen wieder nach Marokko !

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